Bundesfestival junger Film

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Junger Pitch

Der Drehbuchwettbewerb

Nichts geht über ein gutes Buch! Das gilt auch bei Filmen. Deshalb haben wir Nachwuchsautoren eingeladen, uns ihre Konzepte und Filmideen zu schicken. Wir haben eine Auswahl der vielversprechendsten Projekte zusammengestellt, die wir beim Jungen Pitch präsentieren. Jeder Autor hat vier Minuten Zeit, unsere Jury und Sie zu überzeugen. Viel Vergnügen!

junger Pitch

Online ab dem 31.07.20 um 20:00
bis zum 02.08.20

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EIGENHEIM

von Tünde Sautier

Monika und Werner leben in einer ehemaligen Sozialbauwohnung am Münchner Stadtrand. Wenn sie zusammen baden, massiert Werner Monika den Kopf. Beim Spazierengehen halten sie einander an den Händen. – Vor einigen Monaten hat das Rentnerehepaar eine Eigenbedarfskündigung erhalten. Doch bislang verlief ihre Suche nach einer neuen Wohnung erfolglos. Als die Gerichtsvollzieherin vor der Tür steht und ihnen den Termin für die Zwangsräumung ankündigt, bleibt dem Ehepaar nur noch eine Frist von 5 Wochen, um das Unmögliche zu schaffen: In München eine halbwegs bezahlbare Wohnung zu finden. Dabei steht nicht nur ihr Zuhause, sondern auch ihre Beziehung und für Werner seine Würde als Mensch auf dem Spiel.

Tünde Sautier, geb. 1997, studiert seit 2018 Drehbuch an der Hochschule für Fernsehen und Film München. Neben ihrer Tätigkeit als Drehbuchautorin war sie an vielen Film- und Fernsehproduktionen am Set als Szenenbildnerin tätig. In Regie realisierte sie 2018 ihren ersten Dokumentarfilm ‘Krawall’.

Die Wohnungsnot ist nicht nur in München, sondern in den meisten deutschen Großstädten für viele Menschen ein existenzielles Problem geworden. Im Zuge unserer Recherche haben wir durch das Amtsgericht München eine Gerichtsvollzieherin zu drei realen Zwangsräumungen begleiten dürfen. Zwei davon betrafen Menschen, die über 60 Jahre alt waren. Beide Kündigungsfälle waren durch Eigenbedarf begründet. – Bei diesen Fällen erfährt das Sozialamt oft viel zu spät von der Not der Betroffenen und kann nur noch schwer helfen. Unverschuldet werden Menschen wörtlich auf die Straße gesetzt. Am Ende müssen sie sogar für die Kosten der Räumung aufkommen, die i.d.R mehrere tausend Euro kostet. Mit unserer Geschichte möchten wir das emotionale Bewusstsein für diese Problematik verschärfen. Was macht eine solch existenzielle Situation mit dem Leben zweier älterer Menschen?

Streuner

von Magdalena Jacob

Berlin ist voll von jungen Alternativen und Babsi ist eine von ihnen! Sie tragen bio-bunt, kaufen Secondhand, ernähren sich vegan. Wo Ideologie und Kommerz, Hippies und Hipster sich zu einem schwer entwirrbaren Knäul verschlingen, kämpft Babsi für ihre eigene kleine Revolution, für die Erfüllung ihrer Träume (Künstler sein!) und die Schaffung ihrer ganz persönlichen Lebenswirklichkeit. Wie vielen jungen Leuten macht auch Babsi vor allem die Abgrenzung von ihrem Elternhaus zu schaffen. Die Flucht vor dem Dorf, heiratende Geschwister, Eltern, die das Elternhaus verkaufen und immer wieder die Frage: was ist eigentlich Heimat?, stehen thematisch im Zentrum der Geschichte. Durch Babsis Augen lernen wir Unmengen an schrulligen, spannenden und sympathischen Charakteren kennen. Nimmt man die Folgen für sich, sieht man Comedy. Betrachtet man das ganze Bild, entspinnt sich ein feines Netz aus sensiblen Thematiken, in denen sich viele junge Menschen dieser Generation wiederfinden werden.

Nach ihrem Drehbuch-Studium an der filmArche Berlin, studiert Magdalena Jacob seit 2019 an der dffb und ist zudem seit Jahren als Musikerin tätig, arbeitete auch bereits an Filmmusik und in anderen musikalischen Projekten. 2019 wurde sie mit dem Kurzfilm-Drehbuch „Lilith“ für den up-and-coming Nachwuchs-Drehbuchpreis nominiert und ihr Erstjahrefilm an der filmArche „Dephts of Colors“ wurde auf dem Indo-Global International Filmfestival in Mumbai als Best Short ausgezeichnet. Verfilmte Projekte: · „Die Wunschmaschine“ (Short, Komöde, Regie: Norika Sonder) · „Dephts of Colours“ (Short, Experimentalfilm, Regie: Tiziana Schindler) · “Out of Order” (Short, Experimentalfilm, Regie: Tiziana Schindler, Philos Maurice Klein) · Teaser für das Fernseh-Krimi Festival Wiesbaden (Regie: Niva Ehrlich) · „Kopf hoch, Amigo!“ (Short, Komödie, Regie: Szilard Varnai) · „Swimming Home In A Nutshell“ (Musikvideo, Regie: Tiziana Schindler) · “Sailors” (Musikvideo, Regie: Magdalena Jacob/Robert Paul Kothe) Unverfilmte Projekte: · „10-Minuten-Wetter“ (Langfilm, Roadmovie) · „Olive Garden“ (Short, Drama) · „Streuner“ (8-teilige Webserie, Komödie) · „Lilith“ (AT) (Short, Dark Drama)

TRAMPEN – EIN LEBENSGEFÜHL? Reisen per Anhalter sind seit Jahrzehnten ausgestorben! Sagen die Leute! Sie sagen auch, das wäre gefährlich und „überhaupt, da gibt es doch jetzt diese Flexibusse!“. Sätze wie diesen hört man beim Trampen immer wieder. Lediglich der eine oder andere Überbleibsel der Hippie-Generation scheint sich noch darüber im Klaren zu sein, dass Trampen tatsächlich eine Art der Fortbewegung darstellen kann und es natürlich keine 3 Tage in Anspruch nimmt, um von München nach Berlin zu kommen. Trotzdem scheint es in einer Zeit von Flixtrain, Blablacar und lang ersehnten Sparangeboten der Deutschen Bahn wohl kaum noch zeitgemäß, das Trampen als ernsthaftes Fortbewegungsmittel in Betracht zu ziehen. Woran liegt es also, dass auch nach wie vor ein kleiner hartnäckiger Kern von Menschen sich das Fahren in fremden Autos nicht madig machen möchte? Zugegeben – das ist nicht einfach zu adressieren! Natürlich spielt es eine Rolle, dass es günstig ist. In Deutschland, sowie in vielen anderen Ländern der EU üblicherweise sogar umsonst. Natürlich ist es vielen Trampern auch ein Anliegen, ihren ökologischen Fußabdruck möglichst klein zu halten. Da Tramper sich spontan am Straßenrand bereits fahrende, beinahe leere Autos zu Nutzen machen, reisen sie praktisch ohne eigens verursachte CO2-Emissionen. Und ein weiteres Motiv, das auch in Babsis Fall eine Rolle spielt ist ihr provinzielles Reiseziel, das nun leider nicht mal eben von einem Flixbus oder der Deutschen Bahn angefahren wird. Und trotzdem reichen alle diese Erklärungsansätze noch weit nicht aus, um den Reiz und die Faszination, die Reisen per Anhalter so unfassbar aufregend machen, in Worte zu fassen. Da gibt es die Menschen, die sich plötzlich öffnen, selbst die kantigen Deutschen, die einen doch immer wieder überraschen können. Da entstehen Gespräche, die unter gewöhnlichen Umständen nie geführt worden wären. Da treffen sich Menschen, die sich im Alltag nie begegnen würden. Da entstehen Geschichten, die nie erzählt worden wären ohne dieses sonderbare Medium der spontanen Begegnung, der gegenseitigen Unterstützung. Trampen ist nicht nur eine Art der Fortbewegung, sondern vielmehr ein Lebensgefühl, das Freiheit, Unabhängigkeit und Inspiration verspricht, sowie die Kenntnis von und das Grundvertrauen in die menschliche Natur stärkt. Wir wollen die Menschen ermutigen, wieder mit anderen ins Gespräch zu kommen. Und wir wollen dieses Lebensgefühl entfalten, mit Bildern versehen und somit Inspiration sein für andere, Ängste abbauen und Mut machen, Neues zu wagen. ALS FRAU ALLEINE? Man(n) sollte meinen wir wären gleichberechtigt. Sind wir ja auch, zumindest laut Gesetz. Und trotzdem sind uns all die kleinen Ungerechtigkeiten, die uns im Alltag nach wie vor beinahe täglich begegnen ein Dorn im Auge. Glaubt man den Menschen, so sollte man als Frau bitteschön nicht trampen. Und vor allem nicht alleine! Am besten, man geht nur noch bemannt durchs Leben. In diesen Zeiten sowieso. Sonderbarerweise sind es meistens genau die Menschen, welche einem die männliche Begleitung wärmstens ans Herz legen, die einen letztendlich zu zweit am Straßenrand stehen lassen, wenn man ihren Rat tatsächlich befolgt. Die Ironie ist nicht zu übersehen. Das „natürliche Misstrauen“ gegenüber Männern und die Sorge um allein reisende Frauen, die nicht selten sogar in Vorwurf und Bevormundung gipfelt, scheint unsere Gesellschaft noch immer fest im Griff zu haben. Dies ist eine Tatsache, gegen die wir ankämpfen möchten, denn wir wollen Frauen in ihrer Freiheit und Unabhängigkeit nicht länger eingeschränkt sehen, genauso wie wir den Mann endlich von der Rolle des „gefährlichen Vergewaltigers“ befreien möchten. Deshalb möchten wir mögliche Gefahren des Trampens für junge Frauen natürlich nicht einfach verschweigen. Diese Gefahren existieren nun mal – wenn sie aber vermutlich auch nicht schwerwiegender sind, als U-Bahn-Fahren bei Nacht. Trotzdem möchten wir eine Welt erzählen, in der der Geschlechterkampf liebevoll und angstfrei thematisiert wird, denn das wichtigste Anliegen ist es uns, Ängste abzubauen. Ängste vor dem Fremden und Ängste vor dem Menschen an sich, den wir glauben an den Menschen mit all seinen liebenswerten Facetten!

Argument for the Existence of the Island Saudadia

von Constantin Maier

Nach einem Unglück auf See erwacht die Romanautorin Sophie auf dem klapprigen Segelboot eines mysteriösen Mannes: Joshua. Er ist auf der Suche nach der Insel Saudadia. Doch diese ist nur ein Mythos. Ein Märchen von einem Ort, an dem alle Menschen in Glück und Harmonie zusammenleben. Gefangen durch die Enge von Joshuas Boot, kommen die beiden sich näher – und verlieben sich ineinander. Kurz bevor sie Saudadia tatsächlich zu erreichen scheinen, geraten die zwei in einen fürchterlichen Sturm – und Sophie kentert erneut. Sie erwacht in einem Krankenhaus. Doch von einem Joshua fehlt jede Spur. War er nur eine Halluzination, wie die Ärzte sagen? Sophie geht auf die Suche nach Beweisen – danach, dass Joshua existiert – danach, dass Saudadia existiert… Eine Geschichte über Glaube, über die Suche nach einer Unmöglichkeit, über das unergründliche Ausmaß unserer inneren Welt.

Constantin Maier, geboren 1991, hat Mediendesign an der Hochschule Hannover studiert. Während des Studiums konnte er seinen ersten Langspielfilm „Ein Abend Ewigkeit“ (Regie & Drehbuch) fertigstellen, der auf Festivals weltweit ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus hat er den Kurzspielfilm „Irgendwohin“ (Regie & Drehbuch) realisiert, welcher u.a. im NDR ausgestrahlt wurde. Neben der Tätigkeit als Autorenfilmer arbeitet Constantin im Bereich Visual Effects und hat dabei als Artist für renommierte Regisseure wie Stefan Ruzowitzky, Uli Edel oder Oliver Hirschbiegel gedient.

Die Insel Saudadia, abgeleitet vom portugiesischen Begriff „Saudade“, der so viel wie die Sehnsucht nach etwas Unmöglichem bedeutet, fungiert im Film als Metapher für unser tiefes, menschliches Bedürfnis nach einer einfacheren Welt, einer Welt ohne die Hektik, den Leistungsdruck der modernen Gesellschaft. Nach einer Welt, in der man einfach für das akzeptiert wird, was man ist, und nicht, was man zu sein hat. Sophie ist ein Mensch, der sich von den Meinungen anderer Menschen leiten lässt. Joshua erinnert sie wieder an sich selber zurück, an eine Sophie, die geträumt hat, die ihre Faszinationen an dem Märchenhaften der Welt gefunden hat. In dem Versprechen von Saudadia findet sie das, was sie in dem Erfolg als Autorin und in ihrem Freund vergeblich sucht: das Gefühl, aufgenommen und akzeptiert zu sein. „Argument for the Existence of the Island Saudadia“ ist ein sehr persönliches Projekt für mich. Es ist stark inspiriert durch einen Menschen, den ich getroffen habe – ein Mensch, der von ganzem Herzen an etwas geglaubt hat, obwohl niemand anderes daran geglaubt hat. Doch ist es wirklich wahr? Der Film soll ständig auf dieser Grenze zwischen Realität und Traum tanzen. Da ich in meinem Leben ähnliche Symptome wie Sophie durchlebt habe – mich zu fragen, ob die Dinge um mich herum real sind – ist es für mich sehr wichtig, eine Geschichte über psychische Krankheiten zu erzählen. Menschen mit Schizophrenie oder ähnlichem wird oft nachgesagt „verrückt“ zu sein, die Welt auf falsche Weise wahrzunehmen. Dabei müssen wir uns allerdings eingestehen, dass jeder von uns seine eigene Art hat, die Welt zu sehen und dass es im Kern kein „besser“ oder „schlechter“ in diesen Weltanschauungen gibt. Selbst die intelligentesten Wissenschaftler sehen die Welt mit kleinen oder sogar sehr großen Unterschieden. Es gibt keine absolute Wahrheit in der Art und Weise, wie wir die Welt sehen.

Ultima Thuringia

von Kilian Lieb

Heike ist das Oberhaupt des selbsternannten Mikrostaates »Ultima Thuringia« auf einem entlegenen Grundstück mitten im Thüringer Wald. Zusammen mit einem Dutzend weiterer Aussteiger, Reichsbürger und Verschwörungstheoretiker will sie am schicksalsträchtigen 9. November 2019 ihre neue Republik ausrufen. Doch nachdem ein Unbeteiligter die Landesgrenze überquert und angeschossen wird, muss Heike für den Zusammenhalt unter ihren »Bürgern« und den Fortbestand des Staates kämpfen. Nicht nur wegen ihrer heranwachsenden Tochter Sigrid sieht sie bald alles in Frage gestellt, woran sie bisher so überzeugt geglaubt hat.

Nach dem Abitur diverse Praktika bei Film, TV- & Werbefilmproduktionen. Im anschließenden Kommunikationsdesign-Studium entstehen Kurz- & Animationsfilme sowie dokumentarische Arbeiten. Seit Oktober 2019 Drehbuchstudium an der Filmakademie Baden-Württemberg.

Die Geschichte von »Ultima Thuringia« versucht in das fremdartige Milieu der Selbst- verwalter und Reichsbürger vorzudringen und von innen, anstatt nur von außen zu betrachten. 2017 wurden vom Verfassungsschutz 16.500 Personen gezählt, die diesen oder ähnlichen Ideologien anhängen. Obwohl die Figuren, die Filmhandlung und der Mikrostaat »Ultima Thuringia« frei erfunden sind, häufen sich vergleichbare reale Szenarien in der Vergangenheit und enden nicht selten mit Waffengewalt. Mit einer Frau als Protagonistin wird der Fokus auf die weiblichen Akteurinnen der Szene gerichtet, die bisher nur selten erzählt wurden.

Ahmed plays Jazz

von Jonas Kieser

„Ahmed plays Jazz“ erzählt von der schwierigsten Phase in Ahmeds Leben. Der Film zeigt den unbedingten Willen eines jungen Musikstudenten, der für seinen Traum alles riskiert hat und nun doch zu scheitern droht. Auf dem Weg zum Abschlusskonzert gibt der Film Einblicke in das herausfordernde Leben eines Jazzmusikstudenten und wird dabei zu einer audiovisuellen Momentaufnahme der Stadt. Der Film soll dem Thema Gehörkrankheiten zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen und den Klang der Stadt aus einer außergewöhnlichen Hörperspektive einfangen.

Jonas Kieser ist 1995 in Stuttgart geboren und studiert dort seit 2014 Audiovisuellen Medien.Seit einigen Jahren inszenierte er multimediale Produktionen, die zumeist einen Sound- und Musikbezug haben.Die Rauminstallation „Der Stille Klang“ wurde bei den CommAwards mit Gold ausgezeichnet, die interaktive Website „How does tomorrow sound?“ erhielt den deutschen Multimediapreis.

Seit Jahren zählen Musikstudenten zu meinem Freundeskreis. Die Geschichte von Ahmed hat mich immer besonders fasziniert. Die Bedingungslosigkeit, mit der er für seine Musik lebt sowie die persönlichen Konflikte und Geschichten, die seine Persönlichkeit und Musik prägen. Er lässt sich nicht abhalten, widmet sich ungeachtet von öffentlicher Wahrnehmung und der Meinung anderer dem Jazz. Er setzt alles auf eine Karte, leidet dafür. Zu seinem Leidwesen ist er von einer Gehörkrankheit betroffen, mit der ich mich seit einiger Zeit beschäftige. Das Ohr ist ein sensibles Organ, das einen achtsamen Umgang verdient hat. Es ist erschreckend, wie sich eine Erkrankung negativ auf die Lebensfreude, den Beruf und das Sozialleben auswirken kann.

white boxer

von Valentin Stejskal

Die Ex-Marines Nikos und Christos treffen sich nach fünfzehn Jahren des Schweigens am Meer wieder, um eine illegale Militärübung zu wiederholen. In der Hoffnung, mit der Vergangenheit abzuschließen, zelebrieren sie die Übung als ein Ritual der Wiedergeburt.

Valentin Stejskal, geb. 1994 in Wien. Diplomiert 2014 an der Ortweinschule Graz für „Film & Medien“. Arbeitet als freischaffender Filmemacher und sammelt unterwegs Geschichten. Lebt derzeit in Athen.

Die Geschichte „White Boxer“ entstammt einer Begegnung während meiner Autostopp-Reise nach Griechenland. Sie baut auf der persönlichen Erfahrung des LKW-Fahrers Nikos (Name geändert) auf, der sich in seinen Kameraden in der Navy verliebt hatte. Seither lebt er am Rande der Gesellschaft. Nikos‘ Geschichte ist voll von Widersprüchen und führt jene Zuhörer*innen, die sich voreilig ein Urteil bilden, die eigene Unwissenheit vor Augen. Ich persönlich nahm Nikos als aggressiv und rassistisch wahr, er schien mir voll Hass gegen die Welt, und doch erlebte ich während der sechsstündigen Fahrt mit ihm, wie sich mein Ekel in Erstaunen über seine Ehrlichkeit und Fähigkeit zu lieben verwandelte. Wir verabschiedeten uns als Freunde, nachdem er mir gestanden hatte, dass er zum ersten Mal in seinem Leben von seiner Vergangenheit erzählen durfte. Nikos ist Opfer einer Gesellschaft, die ihm das Gefühl gibt schweigen zu müssen. Es ist mir wichtig, von ihm zu berichten. „White Boxer“ handelt von Nikos‘ Hoffnung auf ein neues Leben. Er sehnt sich danach wieder aufzuwachen und Teil einer Gemeinschaft zu werden. Das zentrale Motiv: Die Taufe.

Hänsel und gretel

von Erik Zühlsdorf, Alexander Nickolai

1647, der Winter naht. Seit fast dreißig Jahren tobt ein Krieg in Europa. Die Landbevölkerung leidet Hunger. In einem Wald im zerklüfteten Heiligen Römischen Reich lebt eine Familie aus Holzfällern. Ihre Kinder heißen Hänsel und Gretel. Die Mutter ist schwanger und leidet an Fieber, der Vater ist unentwegt auf Reisen, in trister Hoffnung Köhler oder Flößer zu einem Handel zu bewegen.

Hänsel und Gretel bleiben alleine zurück, um Hof und Mutter zu pflegen. Als der Vater von einer seiner Reisen nicht zurückkehrt und sich das Fieber der Mutter verschlimmert, fassen die beiden Geschwister den Entschluss, in den dunklen Wald zu gehen, um nach Hilfe zu suchen.

Sie legen eine Spur aus Kieselsteinen. Krähen folgen den Kindern und etwas Unheimliches beobachtet sie. Der Wind flüstert zwischen den Bäumen. Aus dem Tag wird ein Abend und aus dem Abend eine Nacht. Die Kinder verlieren die Spur. Einen weiteren Tag irren Sie durch die Wälder, bis sie schließlich an ein Haus gelangen und in dem Haus wohnt das Grauen…

Alexander Nickolai:

geb.: 24.05.1995 in Wetzlar

2018 Bachelor of Fine Arts an der Fachhochschule für Film und Fernsehen „die medienakademie“ im Fachbereich Regie (BA-Thesis: Entwicklung des Erstkontaktes mit außerirdischen intelligenten Lebensoformen im Science-Fiction-Film)

Seit 2018 als Setassistent an diversen Filmsets tätig (u.a. Morden im Norden, Matti & Sami)

2019 Drehbuchpreis up-and-coming für das Drehbuch Hänsel und Gretel (Kinofilm)
 

Erik Zühlsdorf:

geb.: 26.01.1990 in Stralsund

2017 Bachelor of Fine Arts an der Fachhochschule für Film und Fernsehen „die medienakademie“ im Fachbereich Regie (BA-Thesis: Zusammenhang von Sex, Gewalt und Zensur in den Medien)

seit 2017 als Setassistent an diversen Filmsets (u.a. Notruf Hafenkante, Großstadtrevier, Pfefferkörner)

2019 Drehbuchpreis up-and-coming für das Drehbuch Hänsel und Gretel (Kinofilm)

2020 Silber-Medaille für Kurzfilm „Das Läuten“ beim Bundesfilmfestival „Fiction“ in Schrobenhausen

Das Märchen der Gebrüder Grimm verfilmt als eine düstere Odyssee, die den Ursprung des Mythos einbezieht. Hänsel und Gretel sind in die letzten Jahre des Dreißigjährigen Krieges hineingeboren. Ihre Welt ist geprägt von Hunger und Krankheit. Sie sind nicht einfach nur Verstoßene oder Ausreißer, sondern mutige, vernunftbegabte Kinder, die einen Weg aus dem Elend suchen. Es ist ein Schauerstück, rau und düster wie die Zeit, — mit einer Hexe, die im Wahnsinn der Menschen geboren wurde. 

Der Film versteht sich als eine Antwort auf die Krisen unserer Zeit. Es geht im Kern darum, in Not Geratene willkommen zu heißen. Es geht darum, für die Verfehlungen der Vergangenheit einzustehen und mit Mut in die Zukunft zu gehen.

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